Pfarrbüro Heilig Geist

Katholisches Stadtpfarramt
Heilig Geist
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Dienstag 8.30 – 12.00 Uhr
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Donnerstag 8.30 – 12.00 und 14.00 – 16.30 Uhr*
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Ihre Asprechpartnerinnen:
Angela Hentschel
Gabi Kauer
Mariola Straßmeir

Maria Alber – Kleiner Kirchenführer

Das Bauwerk besteht aus zwei Bauteilen, näm­lich aus dem ursprünglichen Baukörper, dem Zentralbau, und dem späteren Vorhallenbau. Der Zentralbau weist einen quadratischen Grundriss­kern (Vierung) auf, der an allen vier Seiten durch etwas zurückspringende Apsiden erwei­tert ist. So erscheint der Baukörper nach außen hin als Rundbau. Der Eindruck des Rundbaues wird verstärkt durch die auf die Grundrissanordnung nicht direkt eingehende flache Rundkuppelüberdachung. Die Verschmelzung zwischen kreuzförmigem Aufbau und Rundbau ist ein Ty­pus, der gegenüber früheren Anlagen (vgl. Klosterlechfeld) als fortschrittliches Element anzuse­hen ist.

Das Bauwerk wird bekrönt von einer achteckigen Laterne. Sie beherbergte in frühe­ren Zeiten eine Lichtquelle und wurde so zum Wegweiser in dunklen Nächten. Ihre architekto­nische Aufgliederung mit den übereckstehenden Pilastern und den Dreieck- und Segmentgiebelaufsätzen über den schlanken Fenstern lässt noch im auslaufenden 17. Jahrhundert das Ideengut des Elias Holl klar spürbar werden.

Einzigartig ist die an der ehemaligen Eingangs­seite dem Dachgesims aufgesetzte Attika mit fla­chem Segmentboden. Frei vor der Kuppel em­porsteigend, trägt sie durch zwei Arkadenbögen zwischen den breiten, schweren Pilastern die Glocken und gibt den Blick zum Himmel frei. Sie ist ein Unikum eines Glockenturmes – ei­ne kühne, sehr eigenwillige und wohl einmalige Lösung.

Das an der Westseite dem Zentralbau im Jahre 1717 vorgesetzte Langhaus ist ein schlichter Zweckbaukörper mit korbbogenförmi­gen Arkaden, zwei an den Längsseiten, eine an der schmäleren Eingangsseite. Es war ursprüng­lich eine offene Halle und musste leider in neuerer Zeit durch Glaswände abgeschlossen werden.

Das Innere der Vorhalle

Das Innere der Vorhalle tritt dem Besucher ziemlich nüchtern und schmucklos entgegen. Ein Deckenfresko erinnert an die Stiftung des frommen Zöllners. Es zeigt ihn in der Aufma­chung der damaligen Zeit, kniend vor dem Gna­denbild im Alberbaum.

Von den Skulpturen fällt ein expressives barockes Kreuz besonders auf. Sein holzgeschnitzter Kruzifixus mit dem schmerzhaft geöffneten Mund neigt den Kopf ausnehmend stark zur rechten Seite.

An diesen Umstand heftet sich eine Legende: Zu einer Zeit großer Hungersnot in Augsburg gin­gen zwei Friedberger Bauern der Stadt zu, um dort ihre Lebensmittel so teuer wie möglich zu verkaufen. Als sie auf den Steinstufen vor der Kapellentür ausruhten, sahen sie nicht das Kreuz, nicht das Marienbild. Sie beratschlagten nur, wie sie in der Stadt am meisten gewinnbrin­gend ihre Ware anbieten könnten. Erschüttert ob soviel Hartherzigkeit der Menschen wandte sich Christus voll Abscheu zur Seite. So steht seitdem dieses Kruzifix als Warnung für alle Habgierigen da und als Trost für alle Armen. – Zu erwähnen bleibt noch im Vorhaus eine Plastik gegenüber dem Kruzifixus, eine schmerzhafte Muttergottes darstellend.

Das Innere des Zentralbaus

Zur weiteren Betrachtung treten wir weiter ins Innere des sakralen Raumes. Durch die Gitter in ansprechender barocker Schmiedearbeit gelan­gen wir vom Vorraum in den Hauptraum. Man ist überrascht von der Wirkung des hohen und lichten Zentralbaues. Durch die großen Fenster der Nord- und Südapsis sowie durch die Later­ne strömt viel Licht in den Raum und verleiht ihm eine barocke Freudigkeit. Der Grundriss tritt uns klar entgegen. Als Wandgliederung in den Apsiden fallen die stukkierten Fensterumrah­mungen aus Wulstbändern mit einfachen Blat­tornamenten auf. In den Vierungsecken dienen flache glatte Pilaster als Wandaufgliederung. Sie enden unterhalb des Gesimses in Kapitellen nach korinthisch-klassischem Vorbild. Die Wandhochführung wird zur Kuppel hin durch ein kräftiges, zweigeteiltes, auf zierlichen Konso­len sitzendes Gesims abgeschlossen, das mit den Eierstab- und Akanthusornamentbändern einen stark renaissancehaften Einschlag zeigt. Die Apsiden binden durch kräftig gerippte Mu­scheln in das Kuppelgewölbe ein. Das Gewölbe selbst überzieht eine kraftvolle Stukkatur von kräftig geschwungenem Akanthus-Rankenwerk.

Das symmetrische Ornament umspielt, von den Ecken der Vierung ausgehend, vier elegant be­wegte Engel mit erhobenen Armen. Diese schei­nen die Last der über der Kuppel aufgehenden Laterne zu tragen.

Über den Apsidenmuscheln lagert jeweils ein Puttenpaar und weist auf Medaillons mit einfach dargestellten Allegorien über der Glorie Mariens hin. Diese Medaillons sind ebenfalls von Rankenwerk eingebunden in die Gesamt­komposition der Kuppel.

Einen besonderen Reiz erhält der Gesamtraum durch eine in der West­apsis gelungen eingebaute Empore über dem Durchgang vom Langhaus zum Zentralraum. Die massive Brüstung ist in derselben Ausstattung gehalten, wie sie den übrigen Raum ziert. Die Laterne ist wie außen an den Ecken durch flache Pilaster gegliedert. Diese leiten durch zier­liche Kapitelle in das Deckenfresko über, das in fröhlicher Farbgebung eine Darstellung der Krö­nung Mariens zeigt.

Von den Skulpturen ver­dient der gegeißelte Heiland in der Südapsis Be­achtung.

Der in der Ostapsis stehende Hochaltar ist ein in barocker Form gehaltener Aufbau mit flankie­renden Säulen und Segmentbogengiebel. Das Altargemälde zeigt eine Dreifaltigkeitsdarstel­lung in einer Komposition, wie sie eigentlich mehr im 18. Jahrhundert üblich war. Vor dem Al­tarblatt beherbergt ein wahrscheinlich in jünge­rer Zeit nachgebildetes Gehäuse das Gnaden­bild, eine Nachbildung der „Altöttinger Mutter­gottes“.
Als beachtliche bildhauerische Werke sind die sechs auf die Altarkomposition einge­henden, sehr bewegten Engelsfiguren anzu­sehen. Hierbei stammen die beiden über dem Giebelbogen von der Hand August Niggls, aus dem Jahre 1761. August Niggl war Angehöriger eines Friedberger Bildhauer- und Goldschmiedegeschlechts (vgl. Monstranz der Stadtpfarrkir­che St. Jakob von Friedberg von Johann Niggl 1731). Die vier anderen Engel dürften vom selben Mei­ster geschaffen sein. Die im Verhältnis zur Kir­chengründung späte Datierung lässt darauf schließen, dass der Altar im mittleren 18. Jahr­hundert eine Änderung erfahren hat. Dies könnte auch die von der Marienkirche abwei­chende Thematik des Altargemäldes erklären. Ebenso ist es mit der auf dem Altargiebelbogen sitzenden Herz-Jesu-Darstellung, ein Werk, das gleichzeitig mit den bereits erfassten Engeln ent­standen sein dürfte. Beachtenswert sind noch vier großartige barocke Leuchter auf dem Al­tartisch.

Maria Alber, ehemals einsam gelegen zwischen Feldern, wird heute immer mehr eingekreist von der sich ausweitenden Siedlung und dem ausgreifenden Großstadtbetrieb. Mit der alten Lin­denallee bietet es aber heute noch neben der rastlos modernen Verkehrsstraße ein Bild alter Kultur, um so mehr, als es nun nach der Renovierung wieder in neuem Glanz erstrahlt.

Hubert Bernhard
Der (gekürzte) Text stammt aus der Festschrift “Wallfahrt St. Maria Alber” von 1967. Er wurde auch in die Festschrift zur Wiedereröffnung nach der Renovierung 1987/88 aufgenommen.

Maria Alber – Geschichte

Anfänge der Verehrung

Auf dem alten Weg durch die Lindenallee von Augsburg-Hochzoll nach Friedberg weitet sich dem Spaziergänger nach kurzem Gang ein wenig der Blick und lässt die Maueransätze eines kleinen Kirchleins erkennen. Bald steht er staunend vor einem zierlichen Zentralbau mit einem flachen Kuppeldach und einer achteckigen Laterne. An der Westseite ist ein Langhaus vorgesetzt. Es ist die kleine Wallfahrtskirche “Sankt Maria Alber”.

Dort, wo die alte Salzstraße von Augsburg nach München über den Lech führte und die bayerischen Herzöge Zoll erhoben, stand einst die Gebäudegruppe des kurfürstlichen, bayerischen “Hochzoll” (Grenz-Zoll). Von dieser Anlage aus wurde das Kapellchen begründet. Ein Zollbeamter namens Arnold Schwenkh setzte nämlich, um in der Nähe seines Arbeitsplatzes auch einen Ort für Andacht und Gebet zu finden, eine kleine hölzerne Nachbildung der Altöttinger Madonna in einen hohen Alberstamm (Silberpappel). Er errichtete davor eine kleine Kniebank, betete dort auf abendlichen Spaziergängen zusammen mit seiner Frau und veranlasste dadurch die Vorübergehenden zur Verehrung der allerseligsten Jungfrau. Ein diesbezügliches Schreiben des damaligen Pfarrherrn von Friedberg liegt im Archiv auf.

Die Verehrung des Bildes nahm zu und noch im selben Jahr ließ der fromme Mann eine hölzerne Kapelle an den Baum bauen und darin das Bildnis aufstellen. Schließlich ging er den Rat von Friedberg an und holte die Erlaubnis ein, eine steinerne Kapelle bauen zu dürfen. Er selbst begann noch den Bau am 26. Juli 1692, konnte aber den Ausbau nicht mehr erleben, da er 1693 starb. Erst im Jahre 1694 kam das Bauwerk dank zahlreicher Opfergaben zustande. Im Mai 1695 übertrug der damalige Stadtpfarrer von Friedberg, Sigmund Freiherr von Lampfrizheim, die Statue der Mutter Gottes in die neue Kapelle, genannt “Unsere Liebe Frau am hohen Alber”.

Besiedelung der Umgebung

Die Kapelle war in eine Landschaft gestellt worden, die außer der erwähnten kurfürstlich bayerischen “Hochzoll”-Anlage keinerlei Besiedlung aufwies. Das Gelände war beidseitig der Salzstraße gänzlich unkultiviert. Erst nachdem 1802 und 1805/6 das Bistum und die Stadt Augsburg in Bayern eingegliedert waren und das Zollgebäude entbehrlich wurde, ließen sich sogenannte Kulturisten dort vom Bayerischen Staat Land zuteilen und bearbeiteten den Lechfeldboden.

Es entstand der Ortsteil Friedbergerau. Er entwickelte sich vornehmlich westlich der nach Mering führenden Straße. Diese wurde auch als Grenze gegen Friedberg festgelegt, als 1864 der Ortsteil zur selbstständigen Gemeinde erklärt wurde. Schule und Kirche besuchten die Einwohner weiterhin in Friedberg, bis 1913 die Stadt Augsburg das Dorf Hochzoll eingemeindete.

So musste der Raum zwischen Lech und Friedberg im Laufe von Jahrzehnten eine Teilung erfahren, obwohl er in schweren Zeiten mit Mühsal zu einer Einheit gewachsen war. Die Teilung erfolgte jedoch nur politisch. Kirchlich blieb die Einheit gewahrt.

Das Gebiet um St. Maria Alber gehört nach wie vor zu der aus dem Stammgebiet hervorgegangenen Kirchengemeinde Hochzoll, so dass das alte Wallfahrtskirchlein der Landschaft erhalten blieb, die es aus tiefer Frömmigkeit hervorgebracht hatte und der es Jahrhunderte hindurch als einzige Stätte christlicher Andacht diente.

“Unausgesprochene Gemeindekirche” Friedberg-Wests

In neuerer Zeit hat die Wallfahrtsstätte durch die Bewohner des sie heute umgebenden Ortsteils Friedberg-West eine erfreuliche Verehrung erfahren. Die Ansiedlung, früher nur aus einzelnen kleinen Bauernanwesen bestehend, wuchs von etwa 1930 an. Die den Neubürgern auferlegte Gegensätzlichkeit zwischen der politischen und kirchlichen Gemeindezugehörigkeit ließ das Gotteshaus bald zu ihrer unausgesprochenen Gemeindekirche werden. In der Madonna von St. Maria Alber erblickten sie bald ihre geheime Schutzherrin. 
Diese fromme “Eigenbrötelei” trat immer dann besonders zutage, wenn an Marienfesttagen die Pfarrherrn von Hl. Geist zu Festgottesdiensten in das Kirchlein einluden. Es herrschte immer wieder freudigste Hochstimmung, sobald der Mesner mit den Ministranten die liturgischen Geräte in einem Korb von Hochzoll kommend durch die Lindenallee trug und das silberhelle Glöcklein von St. Maria Alber den baldigen Beginn des Festgottesdienstes ankündigte. Nun strömten sie hin zu ihrer Lieben Frau. Es kamen vielfach auch jene, die es an sonstigen Sonn- und Feiertagen nicht immer ganz pünktlich und genau mit dem Kirchgang meinten.

Dass die “Friedberg-Westler” die Alber-Muttergottes ernstlich als ihre Schutzherrin betrachteten, zeigte sich am stärksten in den Wirren und Nöten des letzten Weltkrieges. So suchten manche bei Luftangriffen das Treppentürmchen der Kirche als rettenden Unterschlupf auf. Als vor Kriegsende die Besetzung Augsburgs bevorstand, das fürchterliche Grollen der sich nähernden Front schon vernehmbar war und alles befürchtete, dass der Landstrich zwischen Lech und Friedberger Höhenzug sich zum Kriegsschauplatz entwickeln könnte, pilgerten sie fast ohne Ausnahme allabendlich hin und erflehten im gemeinsamen Rosenkranzgebet den Schutz ihrer Lieben Frau.

Diese Bewegung war eine Wallfahrt, die keine Organisation aufwies und der keine Aufforderung oder Anregung durch den Pfarrherrn vorausging, die aber, aus spontanem gemeinsamem Willen und elementarer Glaubenskraft entspringend, als besonders aufrichtig anzusehen war. Die länger eingesessenen Bewohner Friedberg-Wests werden sich noch dieser Zeiten erinnern, wenn heute das vertraute Glöcklein von St. Maria Alber am Morgen, mittags oder am Abend zum Gebet ruft.
Leider versiegt der Klang immer mehr im Verkehrslärm.

Maria Alber, ehemals einsam gelegen zwischen Feldern, wird heute immer mehr eingekreist von der sich ausweitenden Siedlung und dem um­greifenden Großstadtbetrieb. Mit der alten Lin­denallee bietet es aber heute noch neben der rastlos modernen Verkehrsstraße ein Bild alter Kultur, um so mehr, als es nun nach der Renovierung wieder in neuem Glanz erstrahlt.

Näheres über das Kirchlein können Sie im Artikel “Kirchenführer” nachlesen.

Hubert Bernhard
Der (gekürzte) Text stammt aus der Festschrift “Wallfahrt St. Maria Alber” von 1967. Er wurde auch in die Festschrift zur Wiedereröffnung nach der Renovierung 1987/88 aufgenommen.

Heilig Geist – Seitenkapelle

Die Kapelle war ursprünglich als Taufkapelle konzipiert. Im Zuge der Renovierung der Kirche 1980/81 wurde sie zu einem Raum für Gottesdienste mit geringerer Teilnehmerzahl umgestaltet. „Einen Glanzpunkt dieses neu gewonnenen Raumes stellt das Kreuz dar. Es ist das alte Hochaltarkreuz, das früher über dem Tabernakel stand. Es wurde von Goldschmied Ulrich Dochtermann meisterlich zum Hängekreuz umgestaltet. Quer- und Längsbalken enden nun mit einem Bergkristall. Dieses Kreuz hilft mit, sowohl den Mittelpunkt der Kapelle, den Altar, als auch den Mittelpunkt jeder Gottesdienstfeier, Jesus Christus, hervorzuheben.“ (Pfarrer Egger in der „Hochzoller Brücke“ 1981 Nr. 3)

In der Seitenkapelle finden sich drei Bilder von Ruth Lynen, einer Regensburger Malerin. Sie befassen sich mit der Menschwerdung Jesu, dem österlichen Unterwegssein mit dem auferweckten Gekreuzigten und einer symbolischen Darstellung des Im-Glauben-Getragenseins. Ganz in Erdfarben, mit Tausenden kleiner Muscheln durchtränkt, aus dem farbigen Sand der Hochprovence und des Roussillon gearbeitet, kunstvoll und kostbar gefertigt, laden sie zum Betrachten ein.

Jesuskind

Das Jesuskind in der Krippe (Seitenkapelle) ist ein Werk des Bildhauers Theo Bechteler (1903-1993), der in Hochzoll wohnte. Es kam 1964 in die Kirche Heilig Geist.

Pfarrer Egger schrieb damals in der Weihnachtsausgabe der “Hochzoller Brücke”: Es ist kein “schönes” Kind, wie wir es so oft auf gängigen Bildern und in Gebrauchskrippen sehen. … Bei der Betrachtung der Krippe kommt uns zum Bewusstsein, dass der Sohn Gottes in äußerster Armut Mensch geworden ist. Das Kind ist in Lumpen gewickelt. … Dann sehen wir das Kind allein, ohne seine Mutter Maria und ohne den Pflegevater Joseph. Natürlich waren diese beiden heiligen Personen im Stall. Aber uns soll durch die Krippendarstellung gesagt werden, dass der Sohn Gottes sich bis zum Äußersten erniedrigt hat und in die Verlassenheit unserer Welt gekommen ist. …Wir sehen aber auch ein Kind, das einen lieben Gesichtsausdruck und segnende Hände hat. Das Kind schaut uns mit wissenden Augen fragend an und streckt uns die Hand entgegen. Es will Kontakt mit uns. Dazu müssen wir uns aber für dieses Kind öffnen. Wir dürfen uns nicht von diesem Kind abwenden, weil der erste Anblick enttäuscht. … So ist unsere neue Krippe ein Anstoß für unser religiöses Leben: Der unverfälschte Christus blickt uns an. Er zeigt uns seine Liebe in seiner Armut und Verlassenheit. Er will mit uns Verbindung aufnehmen. Es geht dabei nicht um liebgewordene Vorstellungen, sondern um die Wahrheit über Christus.

Heilig Geist – Orgel

Die heutige Orgel verdanken wir einer glücklichen Fügung.

Die im Neubau von 1955 verwendete Orgel war die überarbeitete Orgel der Notkirche gewesen. 1965 bekam Heilig Geist dann endlich eine neue Orgel, doch diese litt im Laufe der Jahre mehr und mehr. 1998 stand dann fest: Eine Renovierung würde praktisch nichts mehr helfen, in längstens fünf Jahren würde die Orgel kaum mehr spielbar sein.

Nach mehreren vergeblichen Lösungsversuchen erfuhr Pfarrer Miorin , dass „in einer Maschinenhalle in der Umgebung von Gilching eine Orgel stehe, die abgebaut und verkauft werden solle. … Ein Gutsbesitzer, der ein begeisterter Organist war, hatte sich ein eindrucksvolles Instrument auf seinem Gehöft erbauen lassen, das Professor Kaul Maureen, München, konzipiert und für das er auch die Disposition erstellt habe.“ (Festschrift zur Segnung der neuen Orgel). Seit dem Tod des Gutsbesitzers wurde das Instrument nicht mehr benutzt. Der Preis, der verlangt wurde, war sehr günstig, auch wenn die Kosten für Ab- und Aufbau, für die Überholung des Werkes, Neu-Intonation, Behandlung der Pfeifen, Renovierung der Orgelempore hinzukamen. „Wir hätten uns eine neue Orgel in dieser Größe nie leisten können, hätten sicher 1,3 Millionen DM bezahlen müssen, und hätten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte auf eine solche Lösung hinsparen müssen.“ Am Patrozinium am Pfingstfest 2002 konnte die neue Orgel eingeweiht werden.

 

 

Der Heilsweg in Heilig Geist

Die Bronzereliefs zum Heilsweg stammen vom Münchner Bildhauer Michael Veit.
Dazu gehören (in der Reihenfolge, in der sie in unsere Kirche kamen)

  • das Kreuz in der Mitte der Stirnwand des Chorraums (1980),
  • die Darstellung  des Auferstandenen am Platz des linken Seitenaltars,
  • die vierzehn Stationen des Kreuzwegs an den Seitenwänden der Kirche (eingeweiht am 24.3.1984),
  • schließlich die sechs Tafeln mit Stationen aus dem Leben Jesu an den Seitenwänden des Chorraums (2010).

Die Abfolge, in der die Darstellungen betrachtet werden wollen, beschreibt eine Kreislinie. Am Anfang und am Ende steht die große, zentrale Bronze-Plastik mit dem Kreuz, welche die Ostseite der Kirche, den Altarraum schmückt. Ganz oben, im Symbol des Kreises, die Andeutung Gottes. Sieben Kugeln verweisen auf die Gaben des Heiligen Geistes, dessen schönste „Frucht“, der gekreuzigte Jesus, mit seinen ausgebreiteten Armen die Bewegung von Gottes In-die-Welt-Drängen aufnimmt. Gottes Sehnsucht, der Gegenstand seiner Liebe ist der feiernden Gemeinde gewiss, voller Zuneigung geschenkt und eindrucksvoll vor Augen geführt.

Dann entwickeln sich in 21 Bildern „verdichtete“ Darstellungen des so genannten HEILSWEGES. Auf der – vom Betrachter aus gesehen – rechten Seite finden wir im Uhrzeigersinn die ersten drei der erwähnten Stationen aus dem Leben Jesu, nämlich
– ein Bild von der Anbetung des Mensch gewordenen Gottessohnes durch die Weisen aus dem Osten,
– eine Darstellung der Taufe Jesu im Jordan und schließlich
– den lehrenden Christus bei der Bergpredigt, wobei der kleine Junge im Vordergrund auch auf die Brotvermehrung hinweist.
Danach folgen der Taufstein und das Marienbild (dazu das nächste Kapitel “Heiligenfiguren”).
Dann umrahmen die 14 Stationen des Kreuzweges das Kirchenschiff.
– Jesus wird von Pilatus zum Tod verurteilt
– Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern
– Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
– Jesus begegnet seiner Mutter
– Simon von Kyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
– Veronika reicht Jesus das Schweißtuch dar
– Jesus fällt zum zweiten Mal unter der Last des Kreuzes
– Jesus begegnet den Frauen von Jerusalem
– Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
– Jesus wird seiner Kleider beraubt
– Jesus wird ans Kreuz genagelt
– Jesus stirbt am Kreuz
– Jesus wird vom Kreuz herabgenommen und in Mariens Schoß gelegt.
– Jesus wird zu Grabe getragen.
Die Antwort auf den Kreuzweg gibt das große Auferstehungsbild, das den siegreichen Christus, mit nach oben gerissenen Armen, gleichsam in Siegerpose darstellt, der mit seinen Füßen die Macht des Todes und des Bösen, symbolisiert im Kopf der Schlange, zertritt.
Gleich ums Eck, jetzt wieder im Altarraum, begegnet im vierten Bild der Stationen aus dem Leben Jesu
– Maria von Magdala Jesus, der sie auffordert, den Jüngern die Botschaft von seiner Auferweckung zu bringen.
– Dann gelangen wir als Betrachter mit den beiden Emmausjüngern und ihrem Begleiter in ihr Heimatdorf, ehe uns Jesus
– den Himmel öffnet, in Gottes Herrlichkeit vorausgeht, uns eine Wohnung bereitet und uns zuruft: „Um Gottes Willen, bleibt der Erde treu!“
Mit der Darstellung an der Stirnseite der Kirche schließt sich der Kreis, bzw. weist die Darstellung auf die Vollendung in Gott, die neuerliche Wirksamwerdung von Gottes Liebe hin, der Menschen immer wieder zur Menschwerdung einlädt, sie als seine geliebten Töchter und Söhne proklamiert und als Verkünder des Wortes Gottes beruft.
Wer sich auf diesen Ruf einlässt, findet sich rasch in der Nachfolge Jesu wieder, welche Kreuzwegsabschnitte nicht erspart, aber unter der Verheißung steht, dass Lebenswege ihren Zielpunkt und ihre Heimat in Gottes Herrlichkeit finden.
Schön ist, dass die ganze künstlerische Gestaltung der Heilig-Geist-Kirche aus einer Hand stammt, wozu auch die Kerzenleuchter, der Osterleuchter zählen. Altar, Ambo und Taufstein sind aus dem vorkonziliaren riesengroßen „Hochaltar“ gefertigt worden.
Die Kirche strahlt eine ganz große Harmonie aus. Am allerschönsten wirkt sie, wenn die Sonne (so zwischen 14 und 16 Uhr im Sommer) durch die zahlreichen Fenster fällt und die erdfarbenen Töne, die Bronze, die Kirchenbänke in einen sanften Goldton hüllt.
Interpretierende, zum Beten und Betrachten einladende Texte zu den Heilsweg-Bildern finden Sie in dem Büchlein „Heilswege“, das Pfarrer Albert L. Miorin kürzlich veröffentlicht hat (mit Bildern von Klaus Hochhuber, Friedberg-West) und das im Pfarrbüro erworben werden kann.

Wenn Sie im Folgenden ein Bild größer sehen wollen, dann klicken Sie es an. Wenn Sie das vergrößerte Bild anklicken, erscheint das nächste Bild.

Das Kreuz  und das Auferstehungsbild

 

Die vierzehn Stationen des Kreuzwegs

 

Stationen aus dem Leben Jesu

Die Heiligenfiguren in Heilig Geist

Die Muttergottes
Die Muttergottes am Platz des rechten Seitenaltars ist ein Werk von Prof. Josef Henselmann, von dem auch der Hochaltar des Augsburger Doms stammt.

 

Die Statue stand lange Zeit in der Seitenkapelle. Grund war, dass sie in der ersten Zeit vielen Gemeindemitgliedern als „zu modern“ erschien. Im Zuge der Kirchenrenovierung 1981 wurde sie wieder an den alten Platz zurückgebracht. Die Rahmung wurde von Michael Veit geschaffen.

Zur Deutung schrieb Pfarrer Egger in der „Hochzoller Brücke“ (1981 Nr. 3): „Prof. Henselmann hat eine Madonna geschaffen, die mit ihrem Sohn unlösbar verbunden ist. Er will sagen: sie gehören zusammen. Maria ist es, die uns ihren Sohn anbietet. Das hat an Weihnachten seinen Anfang genommen und hat sich unter dem Kreuz vollendet.“




Josef
Die Statue des Heiligen Josef vorne an der linken Seitenwand stammt von Michael Veit. Sie ist so angebracht, dass Josef einen ständigen Blick auf „seine Maria“ werfen kann, sein Standort ihn aber auch als Patron der Sterbenden deutlich macht. Als Zimmermann trägt er Werkzeug in den Händen und liegt solches zu seinen Füßen.

 

 



Elisabeth
An der rechten Seitenwand, zwischen der fünften und sechsten Kreuzwegstation, den Stationen liebevoller und fürsorglicher Zuwendung von Menschen dem Leid gegenüber, steht eine Statue der Heiligen Elisabeth von Thüringen, einen Teller in der Hand haltend, der stilisierte Rosen und eine Brotandeutung zeigt, ganz jener bekannten Legende entsprechend, die davon kündet, dass Arme Brot und Rosen brauchen und dass sich Zuwendung und Liebe nicht in materiellen Gaben erschöpfen dürfen, sondern aus einem liebenden, anrührenden Herzen kommen müssen.
Die Gaben, die in den Opferstock gesteckt werden, dienen bis heute der Unterstützung von Armen und Bedürftigen unserer Gemeinde. Es gibt viele, die bei uns anklopfen.
Auch die Statue der Heiligen Elisabeth ist ein Werk von Michael Veit. Sie wurde 1986 für Heilig Geist gestiftet.



Antonius
Auf der linken Seite, gleich neben der Innentür des Hauptportals, ganz typisch im Eck, wo der Heilige Antonius von Padua oft seinen Platz findet, steht eine Figur, die ihn ganz traditionell zeigt, das Jesuskind auf dem Arm. Näheres zu ihm erklärt ein kleiner Aushang hinter dem Kerzentisch, der ihn nicht lediglich als „Schlamper-Heiligen“ deutet, sondern seine Größe und Bedeutung, seine Beliebtheit bei unzähligen Menschen verständlich macht. – Die Statue des Heiligen Antonius wurde 2001 gestiftet und von Michael Veit geschaffen.

Die drei genannten Heiligenfiguren, Josef, Elisabeth und Antonius, sind Spenden von drei Damen aus unserer Heilig-Geist-Gemeinde, die zu den Dargestellten eine besondere Beziehung hatten, sich ein Bild, eine Figur wünschten und dafür dann auch die Kosten übernommen haben.



Die Krippe
Auch die Krippenfiguren stammen aus der Hand des Münchner Bildhauers Michael Veit. In der Zeit von Weihnachten bis Lichtmess sind sie eine wesentliche Bereicherung unserer Kirche. Die ersten Figuren wurden 1980 geschaffen, seither wurde und wird die Krippe auf der Grundlage von Spenden systematisch erweitert.

Neuzugänge der Jahre 2012 und 2013 sind der Engel der Verkündigung (dessen “Schalom” mehr ist als nur die bloße Abwesenheit von Streit), die gebückte Frau (die für alle steht, die “Aufrichten” brauchen), der Aussätzige (von dem nur noch die “Schauseite” heil ist), der (die Wachsamkeit repräsentierende) Hirtenhund, der (verzweifelnde, aber in Gottes Barmherzigkeit eingeschlossene) Judas, ferner die drei Figuren der Familie (für den Weg der heranwachsenden Generation zu Jesus) und der römische Hauptmann (Hinweis auf den Hauptmann unter dem Kreuz, aber auch auf den Hauptmann von Kafarnaum als ersten zum Glauben kommenden Nichtjuden). 2014 kamen hinzu der Prophet, Maria Magdalena, der Verkrüppelte, ein weiterer Hirte und schließlich der Verlorene Sohn (am Boden, neben dem Schweinetrog).

Das Figurenprogramm geht über das Herkömmliche weit hinaus und spiegelt, von biblischen Gestalten ausgehend, eine Vielzahl von Menschenschicksalen und Lebenssituationen wieder, die im Heute genauso ihren Platz haben: denn “heute” ist uns der Heiland geboren. Es geht nicht um einen zeitlichen Ablauf von Hirten und Königen, sondern um die Frage: Wer kann zur Krippe kommen?

Da finden wir die Witwe von Nain (die Frau, die in ihrem Leben alles verloren hat), aber auch (auf dem Baum) den Geldeintreiber Zachäus, den aufmerksam lauschenden Blinden, den desinteressiert blickenden Schriftgelehrten, den (wie David) vor Freude ausgelassen-verrrückt Tanzenden, die lebensdurstige Frau am Brunnen (aus dem Johannes- Evangelium), den Mann auf Krücken, den passiv daliegenden Gelähmten (für den seine Freunde die Initiative ergriffen haben), schließlich drei ganz verschiedene Kinder (das strahlende ebenso wie das bedrückte und das im Sinne der Jesaias-Utopie vom allumfassenden Frieden mit der Schlange spielende): eine Krippe zum Nachdenken also …

Anregungen zum Nach- und Weiterdenken bietet das Büchlein von Pfarrer Miorin “Was machen die denn da? Auf dem Weg zur Krippe, Düsseldorf (Haus Altenberg) 2011” (im Pfarrbüro erhältlich, Preis 8,90 €, mit Bildern von Klaus Hochhuber, Friedberg-West). In der Weihnachtszeit gibt es regelmäßig Krippenführungen.

Heilig Geist – Baugeschichte

1955

Der Neubau von 1955 wollte bewusst nüchtern, unpathetisch, schlicht und sachlich sein, entsprechend dem Lebensgefühl der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Vom Pomp hatte man genug, von den historischen Stilen wollte man sich bewusst absetzen. Auch der „Eindruck einer schwebenden Leichtigkeit“ war beabsichtigt. Sie sollte „durch den Kontrast der Materialien Ziegel und Beton noch zusätzlich unterstrichen“ werden (Nerdinger, Winfried, Hg., Thomas Wechs 1893-1970, Architekt der Moderne in Schwaben, Berlin 2005, Dietrich Reimer Verlag: Nr. 279).

Ein Zeitungsartikel zur Einweihung der Kirche äußert sich so: „Durch vierzig Antikglasfenster strömt das Licht in schmalen Strahlenbündeln in den weiten Raum. Die freitragende Orgelempore wirkt, weil in die Halle vorgreifend, als räumlicher Gegenpol zum Altarkegel. Ein besonderes Schmuckkästchen moderner Kirchenbaukunst ist die links vom Hauptaltar eingebaute Taufkapelle, in der mit dem Werkstoff Beton ungewöhnlich intime Wirkungen erreicht wurden.

Sicher haben damals nicht alle Hochzoller die neue Kirche so positiv gesehen wie die „Studierten“. Bei einem „Erzählkaffee“ des Pfarrgemeinderats-Sachausschusses „50 Jahre Pfarrkirche Heilig Geist“ im Juli 2005 erinnerten sich Gemeindemitglieder, die damals Jugendliche waren: E.: Wir haben uns in der Notkirche sehr heimisch gefühlt. Die neue Kirche war ja zuerst sehr kahl. Das war schon eine Umstellung.S.: „Hopfenhalle“ haben wir gesagt. Sch.: Am Anfang haben die Leute sich nicht sehr heimisch gefühlt. Die alte Kirche war klein, niedrig und heimelig. E.: Unter der Empore konnten unsere jungen Männer reinstehen und sich einspreizen. H.: Und zu dieser heimeligen Kirche dann dieser Klotz von einem Bau. Der hat ganz Hochzoll nicht gefallen. Sch.: Es gab Leute, die gesagt haben: „Jetzt habt ihr eine schöne große Kirche“, aber das Wort „schön“ war nicht wegen der Schönheit, sondern weil sie schön groß war. Ich erinnere mich schon noch, dass es Leute gegeben hat, die gesagt haben: „Wenn du da in d‘ Kirch‘ gehst, dann wartest du immer auf die Durchsage, dass der Schnellzug nach München jetzt auf Gleis drei einfährt, weil das eine reine Bahnhofshalle ist. S.: „Komischer Wechs-Bau“ hat man immer gesagt.“

Allerdings war das damals dominierende Weiß nicht als Endzustand gedacht. Aus den Eingabeplänen geht hervor, dass Wechs sich eine ausgemalte Kirche vorstellte. Eine Ausmalung ist in den Plänen auf der Orgelbrüstung und an den Seitenwänden skizziert, ebenso über den Seitenaltären. Für die Chorwand sind zwei Varianten skizziert: eine mit einem zentralen Kreuz (kleiner und höher angebracht als in der gegenwärtigen Lösung) und eine andere mit einem großen Gemälde. Diese Gestaltung kam jedoch, wohl aus Kostengründen, nicht zustande.

1965

In den ersten zehn Jahren änderte sich am Erscheinungsbild des Innenraums wenig, außer dass über dem ursprünglichen „schlichten Quader der Kanzel“ ein Schalldeckel eingebaut wurde, der zwar akustisch eine Verbesserung bedeutete, aber nicht optisch.

Eine entscheidende Änderung brachte die Liturgiereform im Zusammenhang mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Die Eucharistie sollte nicht mehr in Richtung auf den Altar gefeiert werden. Dies bedeutete einen „Altar ohne Schmuck und Kerzen, auf dem die Messe zum Volk hin gefeiert wird.“ So heißt es im März 1965 im Pfarrbrief „Hochzoller Brücke“.

Hinter dem neuen ganz schlichten Altartisch blieb der ursprüngliche Altar noch einstweilen stehen. Er war ja auch außerordentlich gepriesen worden: „Diese elegante Schwingung (der Spannbeton-Decke des Kirchenraums) findet in verkleinerten Maßen ihre Entsprechung in der gewölbten unteren Fläche des in Kegelform aus einem einzigen Marmorblock gehauenen Hochaltars“. Und in der entsprechenden Passage des anderen Zeitungsartikels hatte es geheißen: „Kein Pfeiler, keine Mauernische lenkt in der imponierend weiten Halle den Blick vom Altare ab, der allein schon auf Grund seiner einmalig schönen Form als ein besonderes Schmuckstück des Gotteshauses bezeichnet werden darf. In konischer Form aus einem einzigen Marmorblock geschlagen, bildet seine gewölbte untere Fläche praktisch ein Gegenstück zu der Wölbung der Decke.“

Klar war, dass die Zwei-Altäre-Lösung nicht die endgültige sein sollte, aber für eine solche fehlte schlicht das Geld.

1976

Das Provisorium mit dem schlichten Tisch als Altar und einem bald hinzugefügten ebenso provisorischen Lesepult blieb mehr als zehn Jahre erhalten; das Kommuniongitter, später auch die Kanzel wurden entfernt. Die Gemeinde hatte wegen anderer wichtiger Projekte, z.B. dem Neubau eines Kindergartens, wenig finanziellen Spielraum. Eine größere Spende ermöglichte dann im Jahr 1976 doch das „Ende des Altar-Provisoriums“ , entsprechend einem Entwurf von Bildhauer Michael Veit aus München, der im Laufe der nächsten Jahrzehnte zu dem für die Kirche von Heilig Geist neben Thomas Wechs am meisten prägenden Künstler wurde.

Die Neuordnung sah vor, dass der alte Hochaltar entfernt und aus ihm ein neuer, kleinerer Altar herausgeschnitten wurde. Auch der Ambo mit Priestersitz entstand aus dem vorhandenen Steinmaterial. Die durch die Treppenarchitektur des Chorraums voneinander abgegrenzten Bereiche sollten nach den Worten von Pfarrer Egger („Hochzoller Brücke“ 1976/1) nunmehr folgende Funktion haben:
– die Zone des gegenwärtigen Sakramentes, das ist der Platz, auf dem der Hochaltar bisher stand mit dem Tabernakel in der Mitte,
– dann die Zone des aktuellen Vollzugs der Eucharistie, das ist der neue, feste Altar
– und als dritte die Zone der Wortverkündigung mit Ambo und Priestersitz.“
 – Schwierigkeiten bereitete offenbar die Stirnwand, die durch das Fehlen des massigen alten Hochaltars noch kahler wirken musste: „Zentraler Blickpunkt … kann in einer katholischen Kirche nur der Tabernakel sein. Die leere Wand über dem jetzigen Hochaltar bietet sich als Platz für den Tabernakel an. Die Wand ist allerdings ganz kahl. Ein Bild, Mosaik oder Teppich ist zu teuer. Ein Hintergrund muss aber vorhanden sein. Deswegen wird ein Teil der Wand mit einer passenden Farbe herausgehoben und der Tabernakel in die Mitte dieser Farbwand gesetzt. Der Tabernakel ist der alte vom jetzigen Altar, nur mit dem unmittelbaren Hintergrund einer großen Scheibe, die eine Hostie bedeutet.“ Als Wandfarbe wurde ein leuchtendes Blau gewählt.

1981

Im Zuge der Kirchenrenovierung 1979 bis 1981 wurde schließlich im Wesentlichen das jetzige Bild erreicht: Die Chorwand erhielt als zentrale Darstellung das große, von Michael Veit geschaffene Kreuz, zugleich wurde der Chorraum durch den Architekten Fritz Wegmann farblich neu gestaltet; das blaue Rechteck wurde aufgegeben, die Wandflächen wurden durch horizontale und in verschiedenen Beigetönen voneinander  abgesetzte Streifen untergliedert. Neu war auch der Taufstein auf der rechten Seite des Chorraumes. Mit den Kreuzweg-Reliefs (1984), den Leben-Jesu-Tafeln (2010) sowie den Heiligenstatuen von Josef, Elisabeth und Antonius, die alle Michael Veit zu verdanken sind, erhielt die Kirche eine einheitliche bildliche Ausstattung. Das nunmehr erreichte Erscheinungsbild wurde auch in der großen Innenrenovierung von 2014 beibehalten. Durch die neue LED- Lichttechnik erscheint die Kirche heller und höher; insbesondere kann die Aussage der Bildwerke jetzt deutlicher erkannt werden. – Im Jahr 2017 folgte die Renovierung der Fassade und des Kirchendaches.

Weitere Details …

Kirche Heilig Geist

Das Gebiet der Pfarrei Heilig Geist erstreckt sich über den Stadtteil Hochzoll-Nord der Stadt Augsburg und den Stadtteil West der Stadt Friedberg. Dort befinden sich zwei Kirchen, die Stadtpfarrkirche Heilig Geist und die Wallfahrtskapelle Maria Alber.

Das Pfarrzentrum befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Pfarrkirche. Dort tagen unter anderem die beiden offiziellen Gremien jeder katholischen Gemeinde, der Pfarrgemeinderat, der den Pfarrer bei der Seelsorgertätigkeit unterstützen soll, und die Kirchenverwaltung, die sich um finanzielle Aspekte kümmert.

Die Grundsteinlegung unserer Pfarrkirche fand am 3. Juli 1954 statt.

Am Sonntag, 25. September 1955 wurde die neue Kirche durch den Bischof von Augsburg, Dr. Josef Freundorfer geweiht.

Architekt war Thomas Wechs (1893-1970).
Als ein wichtiges Kennzeichen des Baus wählte Wechs den Kontrast zwischen den in Ziegel gemauerten Außenwänden und einer tonnenartig gewölbten Spannbetondecke, die in dieser Weise erstmalig realisiert wurde. „Die als gemischter Ziegel- und Stahlbetonbau konzipierte Heilig-Geist-Kirche in Hochzoll ist das erste Beispiel eines konsequent modernen Sakralbaus in Augsburg.” (Nerdinger, Winfried, Hg., Thomas Wechs 1893-1970, Architekt der Moderne in Schwaben, Berlin 2005, Dietrich Reimer Verlag: Nr. 279)
Zur Wirkung des Baus ­sollen zwei Zeitungsartikel zitiert werden, die zur Weihe der Kirche erschienen sind, aber wohl auch heute noch Gültigkeit haben:
Unter der Überschrift „Ein neues Gotteshaus für Hochzoll“ heißt es: „Thomas Wechs … zeichnet für die Architektur der neuen Heilig-Geist-Kirche verantwortlich. Sie setzt die Stilelemente moderner Raumgestaltung und Lichtführung als ansprechende Ausdrucksmittel zeitgemäßer Gläubigkeit ein, die unsentimentale Sachlichkeit und beschauliche Frömmigkeit verbindet. Die helle, schlicht gegliederte Fassade und der schlank hochgezogene Turm mit der originellen Fensterführung passen sich der baulichen Umgebung im Zentrum Hochzolls harmonisch ein.“ 
 „Von welcher Seite man auch immer sich der Kirche nähert, fällt einem die klare Linienführung des von einem schlichten Bronzekreuz gekrönten Turmes auf, der sich besonders harmonisch an den modernen Hallenbau angliedert.“
Thomas Wechs senior, der sich im Architektenwettbewerb durchsetzte, war einer der führenden Kirchenarchitekten unseres Gebiets. In Augsburg und der engeren Umgebung hatte er die Kirchen St. Wolfgang und St. Thaddäus gebaut, ferner Maria Hilf an der Grenze zwischen Stadtbergen und Pfersee. Später entstanden nach seiner Planung auch Don Bosco und das Exerzitienhaus St. Paulus in Leitershofen.

Bestimmend für den Innenraum ist, um wieder die Zeitungsartikel von 1955 zu zitieren, der „großzügige Hallenbau” und „die kühn konstruierte Spannbetondecke, die sich in 16 Meter Höhe über das 47 Meter lange und 26 Meter breite Hallenschiff schwingt”. Kein Pfeiler, keine Mauernische lenkt in der imponierend weiten Halle den Blick vom Altare ab.”  Allerdings hat das Innere der Kirche seit der Erbauung größere Veränderungen erfahren. Für diese waren einerseits die Erfordernisse der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erneuerten Liturgie maßgebend, andererseits der Umstand, dass im Neubau die (durchaus geplante) Ausstattung noch nicht realisiert worden war.  Zentraler Blickpunkt des Kircheninneren ist seit 1981 das große, von Michael Veit geschaffene Kreuz.

Näheres zur Baugeschichte von Heilig Geist und zu den Bildwerken, die sie enthält, erfahren Sie in den folgenden Artikeln.

 

Geschichte der Pfarrei Heilig Geist

Überblick

– 1905 Seelsorgestelle in Hochzoll (Betreuer: Josef Wassermann)
– 1905 Bau einer Notkirche
– 1912 Erweiterung der Notkirche
– 1915 Hochzoll wird Expositur von St. Ulrich und Afra
– 1920 Hochzoll wird selbstständige Pfarrei: „Heilig Geist“; Josef Wassermann wird Pfarrer dieser neuen Pfarrei
– 1936 Friedberg-West kommt zur Pfarrei Heilig Geist
– 1950 Johann Baptist Mayer wird Pfarrer von Heilig Geist
– 1955 Abschluss des Baus der neuen Kirche
– 1961 Alois Egger wird Pfarrer von Heilig Geist
– 1961 Der Pfarreiteil Hochzoll-Süd wird als selbstständige Pfarrei abgetrennt: „Zu den Heiligen Zwölf Aposteln“
– 1997 Albert Miorin wird Pfarrer von Heilig Geist
– 2010 Heilig Geist und Zwölf Apostel bilden eine Pfarreiengemeinschaft; Pfarrer ist Albert Miorin
– 2016 Manfred Bauer wird Pfarrer von Heilig Geist und Leiter der Pfarreiengemeinschaft Heilig Geist und Zwölf Apostel

Die Gründungsurkunde der Pfarrei Heilig Geist vom 25. März 1920 beginnt mit „Maximilian, durch Gottes Barmherzigkeit und des apostolischen Stuhles Gnade Bischof von Augsburg“. Gemeint ist Bischof Maximilian von Lingg. „Im speziellen Auftrage des Hochwürdigsten Herrn Bischofs“  teilt das vom Generalvikar unterzeichnete Handschreiben im gravitätischen Ton damaliger Kanzleisprache mit:

„Nachdem durch den seelsorglichen Notstand im heutigen Stadtbezirke Augsburg-Hochzoll, welcher am 30. Juni 1915 zur Errichtung einer katholischen Expositur innerhalb der katholischen Stadtpfarrei St. Ulrich und Afra in Augsburg geführt hat, die Errichtung einer eigenen selbständigen Pfarrei zum unabweisbaren Bedürfnis geworden war, hat das Staatsministerium für Unterricht und Kultus auf Grund der zwischen unserem Ordinariate und der Regierung von Schwaben und Neuburg hierüber gepflogenen Verhandlungen mit Entschließung vom 10. Januar 1920 Num. 43334 genehmigt, daß der Tochtergemeinde- und Expositurbezirk Augsburg-Hochzoll in seinem damaligen Umfange aus dem Verbunde mit der Pfarrei St. Ulrich und Afra in Augsburg gelöst werde und nunmehr den Sprengel der selbständigen Heilig-Geist-Pfarrei mit dem Sitze in Augsburg-Hochzoll bilde, ferner daß hinsichtlich der Besetzung dieser neuerrichteten Pfarrei Heilig Geist die libera collatio des Bischofs von Augsburg Platz greife. Über die Dotation dieser neuen Pfarrei spricht sich der von der katholischen Kirchenverwaltung der Pfarrei Heilig-Geist unter dem 25. Februar 1920 gefertigte und mit amtlicher Genehmigung der Regierung von Schwaben und Neuburg, Kammer des Innern, vom 1. März 1920 Nr. IV 10892 versehene Stiftungsbrief näher aus. …“

Erster Pfarrer der neuen Pfarrei wurde Josef Wassermann.

Er betreute damals seine Pfarrkinder bereits fünfzehn Jahre lang. Als der 32-jährige Priester 1905 in Friedberg Stadtprediger wurde, hatte er auch für die etwa 800 Katholiken in Hochzoll (das bis 1904 „Friedbergerau“ geheißen hatte) zu sorgen. Das Gebiet war ursprünglich vorwiegend evangelisch gewesen, da die Auen östlich des Lechs nach 1830 durch Kolonisten aus evangelischen Teilen Bayerns besiedelt worden waren. 1870 ließen sich die ersten katholischen Handwerkerfamilien hier nieder, und etwa um 1890 folgten ihnen Fabrik- und Bahnarbeiter; so hatten sich die Konfessionsverhältnisse verändert.

 

Bereits im selben Jahr 1905 konnte Wassermann eine kleine Notkirche eröffnen.

Wassermann sah seine Seelsorge in Hochzoll nicht nur geistlich, sondern auch real und sozial geprägt. 1908 gründete er den „St. Johannis-Zweigverein“. Solche Vereine (nach dem Vorbild eines zentralen bayerischen Johannisvereins) wurden damals von einer größeren Zahl katholischer Gemeinden geschaffen. Wassermann besaß Weitsicht und wusste, dass die Betreuung gefährdeter Kinder in einem Vorort der Industriestadt Augsburg sehr wichtig ist. Das Kinderheim an der Karwendelstraße, das der Verein baute und das noch heute besteht, wurde im Dezember 1908 in Betrieb genommen.

1912 konnte die Notkirche mit einem durchaus respektablen, von Kirchenbaumeister Albert Kirchmayer gestalteten Anbau erweitert werden. So hatte Hochzoll, das 1913 in die Stadt Augsburg eingemeindet wurde, eine den Verhältnissen entsprechende Kirche. 1914 wurde das Pfarrhaus erbaut.
Die im bischöflichen Schreiben erwähnte Umwandlung im Jahr 1915 zu einer Expositur von St. Ulrich und Afra, also zu einer im seelsorglichen Bereich relativ selbstständigen Außenstelle, brachte eine weitere Aufwertung.

Das Gebiet von Friedberg-West, das zuerst nicht zur Pfarrei Heilig Geist, sondern zu St. Jakob in Friedberg gehörte, steigerte in der Zeit zwischen den Weltkriegen deutlich seine Einwohner­zahl. Seit im Jahr 1913 HochzoIl nach Augsburg eingemeindet worden war, verlief die Kreisgrenze an der Meringer Straße. Im  Jahr 1936 wurde der praktisch neue Stadtteil an die Pfarrei Heilig Geist angegliedert. Daraus resultiert eine jedenfalls im engeren Raum seltene Besonderheit unserer Pfarrei, nämlich dass Heilig Geist im Gebiet zweier verschiedener politischer Gemeinden liegt. Hochzoller und „Friedberg-Westler“ fühlten sich immer als Einheit, auch wenn sich vor allem seit 1970, als die Kinder von Friedberg-West die Grundschule in Friedberg besuchen mussten, manches komplizierter gestaltete. „Erbstück“ der „Einpfarrung“ war auch das schöne Barockkirchlein von Maria Alber.

Zu Heilig Geist gehörte von Anfang an eine Kaplansstelle, zunächst für einen einzigen Kaplan, seit 1959 schließlich auch für einen zweiten. (Auf diese Personalausstattung können wir natürlich nur noch neidisch zurückschauen…) Pfarrer Wassermann ging 1950 in den Ruhestand. Er verblieb in der Pfarrei und wohnte bis zu seinem Tod 1953 im Pfarrhaus.
Geistlicher Rat Johann Baptist Mayer wurde sein Nachfolger, 59 Jahre alt und bereits mit reicher Erfahrung als Pfarrer.
In seine Zeit fiel vor allem der Bau unserer jetzigen Pfarrkirche.
Die Gemeinde von Heilig Geist hatte sich mit 6000 Mitgliedern zur damals größten Stadtpfarrei entwickelt. Daher benötigte man dringend einen Ersatz für zu klein gewordene vorläufige Kirche.
Der Entwurf der neuen Kirche stammte von Thomas Wechs, einem der führenden Kirchenarchitekten unseres Gebiets (Näheres zur Kirche und ihrer Ausstattung s. den gesonderten Artikel).
Die neue Kirche wurde am Sonntag, 25. September 1955 durch den Bischof von Augsburg, Dr. Josef Freundorfer eingeweiht.
Pfarrer Mayer starb am 4.2.1961. Als Nachfolger wurde mit Wirkung vom 1.April 1961 der bisherige Günzburger Benefiziat und Stadtprediger Alois Egger berufen, der am 26. Oktober 1926 in Augsburg geboren und 1951 zum Priester geweiht worden war.
Das starke Wachstum des Stadtteils Hochzoll und der Katholikenzahl machte 1961 die Teilung der Pfarrei nötig. In Hochzoll-Süd wurde eine eigene Pfarrei „Zu den Heiligen Zwölf Aposteln“ gegründet.
Kennzeichnend für die Situation der Pfarrei war in den Jahren zwischen 1955 und 1970 das außerordentlich starke und rasche Wachstum des Stadtteils. Trotz der Abtrennung von Hochzoll-Süd erreichte Heilig Geist 1969 eine Zahl von nicht weniger als 13800 Gemeindemitgliedern.
Weitere Marksteine der „Baugeschichte“ der Pfarrei waren in der Zeit von Pfarrer Egger:
·        1965: Heilig Geist bekommt eine neue Orgel.
·        1964: Im Bereich der Pfarrei wird der Neue Ostfriedhof geschaffen. Bis dahin war der „zuständige“ Friedhof für die Katholiken aus Hochzoll-Nord der Friedhof von Herrgottsruh in Friedberg.
·        1965: Im Zusammenhang mit der Liturgiereform bekommt Heilig Geist einen vorläufigen neuen Altar; später werden auch Kommuniongitter und Kanzel abgebaut.
·        1967: Beendigung der Renovierung von Maria Alber
·        1969: Reparaturarbeiten an Turm, Pfarrsaal und Sakristei; insbesondere wird ein kleiner Pfarrsaal im Norden des großen geschaffen.
·        1972: Fertigstellung des damaligen Hauptprojekts der Pfarrei: des Kindergartens in der Herzogstandstraße
·        1976: Ende des Altarprovisoriums und neuer Altar (aus dem Kalksteinblock des alten Hochaltars herausgeschnitten)
·        1980 und 1981: große Renovierung der Kirche und des Platzes. Der neue Kirchplatz wird mit Verbundsteinen in Fischform gepflastert. Der Fisch, schon immer ein christliches Symbol, wird in stilisierter Form ein Kennzeichen der Pfarrei.
·        1980: Die Kirche erhält das große Kreuz an der Stirnseite des Chorraums.
·        1984: Die Kirche wird mit dem Kreuzweg ausgestattet, damit ist die Ausgestaltung im Wesentlichen vollendet.
·        1988: Abschluss einer erneuten Renovierung von Maria Alber
·        1996 und 1997: umfassende Renovierung des Kindergartens
Für die „innere“ Geschichte der Pfarrei hatte natürlich das Zweite Vatikanische Konzil 1962 bis 1966 die größte Bedeutung. Beim Schmökern in den damaligen Pfarrbriefen fühlt man etwas von der Dynamik, aber auch von den heute unverständlichen Bedenklichkeiten, die das Konzil damals bei Gläubigen und Klerus auslöste. So stellt in der Nummer 1966 Nr. 5 unter der Rubrik „Hochzoller Gemeinde-Parlament“ ein Mitglied der Gemeinde die Frage, warum man die deutsche Sprache nicht für die ganze Liturgie eingeführt habe. Das Konzil sei da „noch manches schuldig geblieben“. „In Holland ist man da weniger pingelig als bei uns. Oder kann man damit rechnen, dass künftig auch die Wandlung in deutscher Sprache vollzogen wird?“ Die von Pfarrer Egger autorisierte Antwort des Pfarrbriefs: „Es stimmt, dass in anderen Ländern die ganze Liturgie in der Muttersprache gefeiert wird. In Deutschland haben die Bischöfe dazu noch keine Erlaubnis gegeben. Sicher ist aber diese Entwicklung nicht aufzuhalten.“
Etwas ganz anderes, worüber sich offenbar manche Gläubige wunderten, wird in der Ausgabe 1971/3 genannt: „Herr G.H., der erst vor kurzem hergezogen ist, schreibt: In meinem früheren Wohnort war es so, dass man den Pfarrer sofort an der Kleidung erkannte. Hier finde ich aber in der Kleidung kaum mehr einen Unterschied zwischen Pfarrern und Laien. Warum sind Sie nicht strenger in dieser Hinsicht?“ Die Antwort: „Weil es nicht notwendig ist! Die hier angestellten Geistlichen kennt man mit oder ohne Kollar, mit schwarzer oder brauner Krawatte. Wir ziehen ja das strenge priesterliche Spezialgewand nicht deswegen an, weil wir uns unkenntlich machen wollen. … Die Erfahrung zeigt uns, dass es wirklich nicht auf das genormte Gewand ankommt. Zur Beruhigung aller: Wir haben noch alle Talar und Kollar und ziehen sie auch wenn nötig an.“ Weder die Frage noch die Antwort würde wohl heute so formuliert werden. Aber immerhin waren auch damals die Geistlichen von Heilig Geist Befürworter neuer und zukunftsweisender innerkirchlicher Entwicklungen!
Im Gefolge des Konzils wurde in den Pfarreien in Deutschland auch ein Pfarrgemeinderat eingerichtet. Ganz neu war allerdings ein solches Gremium in Heilig Geist nicht; es bestand bereits ein Pfarrausschuss, der regelmäßig tagte (Ausgabe 1968 Nr. 1). – Sicherlich gab es damals nicht nur die Aufbruchsstimmung und das Wehen des Heiligen Geistes, sondern auch schon ein langsames Abnehmen des Anteils der Gottesdienstbesucher. In Ausgabe 1965/1 klagt Pfarrer Egger, dass nur noch ein Drittel der Katholiken am Sonntag zum Gottesdienst kommt. (Heute wären wir über eine solche Quote froh…)
Trotzdem: Heilig Geist war immer eine aktive Pfarrei und fühlte sich auch als solche. Beim „Männerfrühschoppen“ ging es gleichermaßen um Glauben wie um Politik. Kennzeichnend war ein reiches Vereinsleben. Die Hochzoller Gruppierungen von Kolpingsfamilie, Frauenbund, Werkvolk gingen bereits auf die Zeit um den Ersten Weltkrieg zurück. 1962 wurde der DJK-62-Hochzoll gegründet, 1969 der „Kranken- und Altenpflegeverein e.V. für die Pfarrei Heilig Geist“, 1999 der „Förderverein für Orgel und Kirchenmusik“. Die früheste Gründung eines sozial orientierten Vereins (St. Johannis-Zweigverein) und einer entsprechenden Einrichtung (Kinderheim) fand, wie bereits vermerkt, schon im Jahr 1908 statt, als es in Hochzoll noch gar keine offizielle katholische Pfarrei gab.
Als aktive Pfarrei erwies sich Heilig Geist bei der Aktion „neu anfangen“, bei der sie sich in den Jahren 1993 bis 1995 auf Initiative des Pfarrgemeinderats zusammen mit einer Reihe anderer katholischer und evangelischer Pfarreien beteiligte. Im Mittelpunkt des Unterneh­mens stand die Überzeugung, dass sich der Glaube eines Erwachsenen fortentwickeln muss. Ziele waren, sich aus der sich im Laufe der Jahre ergebenden religiösen Routine zu lösen, sich untereinander auszutauschen, sich Gedanken über den eigenen Standort im Glauben zu machen, den Glauben in der Öffentlichkeit positiv ins Gespräch zu bringen, Fernerstehende zu erreichen und vielleicht dem einen oder anderen wieder einen Zugang zum Glauben zu vermitteln. Die mit der Aktion verbundene Telefonaktion und die Broschürenverteilung verlangten durchaus ein Sich-aus-dem-Fenster-Lehnen. Eine positive Erfahrung waren die über Jahre hinweg aktiven konfessionsübergreifenden Gesprächskreise.
Kennzeichnend für Heilig Geist war immer auch eine lebendige Ökumene. Pfarrer Baer von St. Matthäus drückte dies in seinem Grußwort zur Feier des 50-jährigen Bestehens der Pfarrei 1970 so aus: „Es darf einmal ruhig gesagt werden, dass hier in zwei Gemeinden am Rande unserer Stadt, im Stillen und manchmal auch in der Öffentlichkeit, schon ökumenisch gedacht und gehandelt wurde, ehe dieses Wort Schlagzeile geworden ist.
Kennzeichnend für Heilig Geist war schließlich eine moderne Öffentlichkeitsarbeit. Von 1962 bis 1984 erschien die „Hochzoller Brücke“, als „Pfarrbrief neuen Stils“, redigiert von professionellen Journalisten (Willi Weiskirch, Chefredakteur von „Weltbild“, und Walter Fischer; ab 1970 Dr. Albert Reichert, Chefredakteur der Kirchenzeitung und zugleich Mitglied des Pfarrgemeinderats). Diese Publikation der Pfarrei verstand ihren Titel nicht nur äußerlich, sie wollte auch im übertragenen Sinn „Brücken schlagen“: „Isoliert dürfen wir als Katholiken nicht leben. Gott hat uns in diese Hochzoller Gemeinde gestellt. Darum müssen wir für diese Gemeinde Verantwortung sehen. Wir müssen uns auch um das Diesseits in unseren Pfarreien kümmern“ (1962/1). Die „Hochzoller Brücke“ nahm deshalb immer wieder auch Stellung zu Fragen der Entwicklung des Stadtteils Hochzoll, schon von der ersten Ausgabe an. Manches für die jetzigen Hochzoller recht Ungewohntes ist da zu lesen. In 1962/1 geht es um den Straßenbau, z.B. die Bahnunterführung an der Peterhofstraße: „Der Schrankenwärterposten wird endgültig der Vergangenheit angehören“ (auch die im weiteren Verlauf schon bestehende Unterführung an der Münchner Linie solle verbreitert werden). Manches klang noch sehr wolkig: „Die Nebelhornstraße soll … durchgeführt werden bis zur Meringer Straße. Das bedeutet: Hochzoll-Süd wird an diese Straße angebunden. Hier wird sich der Hauptverkehr abwickeln. Dieser Verkehr wird an dem größten noch unbebauten Gelände inmitten des Weichbildes von Hochzoll vorbeiführen. Es liegt an der Ecke Meringer/ Friedberger Straße und wird nach Westen hin von der Peterhofstraße begrenzt. Was wird hier? Die Hoffnungen der Stadt, es für den Wohnungsbau erwerben zu können, haben sich zerschlagen. Die Grundstückseigentümerin – die Bundesvermögensverwaltung – will es selbst bebauen: Entweder entsteht hier eine technische Schule oder ein Wohnungsprojekt für die Bundeswehr“  (1963/3). Es kam anders: Die Verkehrsströme aus Hochzoll-Süd fließen weiterhin durch beide Stadtteile, und auf dem erwähnten freien Platz begann 1976 das Rudolf-Diesel-Gymnasium mit dem Unterricht.
Immer wieder und in vielen Ausgaben der „Hochzoller Brücke“ wurde das Problem der fehlenden Schulräume aufgegriffen. Die Zusammenarbeit mit den Hochzoller Schulen beschränkte sich keineswegs auf solche Erwähnungen im Pfarrbrief. Es gab regelmäßige Gesprächskreise mit den Schulleitern, zu denen Pfarrer Egger und später Pfarrer Miorin einluden; die Kollegien der Hochzoller Schulen trafen sich über lange Jahre hin am letzten Schultag im Pfarrsaal oder im Pfarrgarten.
Auch soziale Probleme und Entwicklungen, konkret dass es „bei uns Not gibt“, wurde gesehen; und wenn die Titelseite der Pfingstausgabe der „Hochzoller Brücke“ in diesem Zusammenhang mit „Die im Dunkeln sieht man nicht“ ein Brechtzitat als Überschrift wählte, war dies 1962 durchaus mutig.
Die „Hochzoller Brücke“ engagierte sich auch für die aus Heilig Geist hervorgegangene neue Pfarrei Zwölf Apostel; die Leitartikel der ersten Ausgaben sind von den Pfarrern beider Gemeinden unterschrieben.

Mit dem Abschiedsgottesdienst am 19. Juli 1997 endete die 36-jährige Tätigkeit von Pfarrer Egger in unserer Pfarrei. Pfarrer Egger verstarb am 27. Juni 2018 in Augsburg. Er ist auf dem Neuen Ostfriedhof im Priestergrab begraben.

Als Nachfolger von Pfarrer Egger wurde am 4.Oktober 1997 Albert Miorin  eingeführt. Er wurde 1958 in Memmingen geboren und 1985 zum Priester geweiht. Er war Kaplan in Starnberg und ab 1992 Pfarrer in der Pfarreien-Gemeinschaft Weßling, Oberpfaffenhofen und Unterbrunn im oberbayerischen Teil des Bistums. Zusätzlich war er auch Dekanats- Jugendseelsorger und Caritaspfarrer.
Das Fortschreiben der „Baugeschichte“ trat bald als Forderung und zeitraubende Aufgabe auch an Pfarrer Miorin heran. Die Orgel von 1965 hatte im Laufe der Jahre mehr und mehr gelitten. 1998 stand dann fest: Eine Renovierung würde praktisch nichts mehr helfen, in längstens fünf Jahren würde die Orgel kaum mehr spielbar sein. Durch einen glücklichen Zufall konnte eine schon bestehende Orgel erworben werden. Sie wurde 2002 eingeweiht (Näheres im Artikel über die Kirche Heilig Geist).
Nächstes Problem war das Pfarrzentrum. Der bisherige Pfarrsaal zusammen mit dem „kleinen Pfarrsaal“ und dem „oberen Zimmer“ waren für die Erfordernisse eines gegenwärtigen Gemeindelebens nicht mehr geeignet, insbesondere wegen der mangelnden Abtrennung: Was im einen Raum gesagt wurde, hörte man auch in den beiden anderen, so dass mehrere Veranstaltungen zur gleichen Zeit unmöglich waren. Die Planungen zu einem Umbau begannen 2001. Betroffen waren auch die Jugendräume im Trakt zwischen Kirche und Pfarrhaus. Auch deren Anlage und Einrichtung entsprach nicht mehr den Anforderungen. Mit Optimismus und Mut verfolgte Pfarrer Miorin das Ziel, das in der Zeit immer knapper werdender Gelder durchaus anspruchsvoll war (Näheres im Artikel über das Pfarrzentrum). 2010 konnten die Umbauten abgeschlossen werden.
Auch die Kirche selbst erhielt 2010 eine letzte Vervollständigung der Ausstattung in Gestalt der sechs Leben-Jesu-Tafeln von Michael Veit im Altarraum. 2014 war eine aufwändige Innenrenovierung der Kirche fällig, die nicht nur der dringend erforderlichen Reinigung von Wand und Decke galt, sondern auch etwa der akustischen und lichttechnischen Verbesserung und der Erneuerung der in die Jahre gekommenen Elektrik.
Heilig Geist blieb auch im religiösen Leben eine ausgesprochen lebendige Gemeinde. Neue und innovative Akzente wurden gesetzt, z.B. in der Vielfalt der Gottesdienstformen: Laudes und Evening Prayer, Gottesdienst der 1000 Lichter, Stationsgottesdienste an Orten des Alltagslebens, aber auch Klagegottesdienst,  Rockmesse und Kinderkirche.
Pfarrer Miorin hatte in seiner Vorstellung im Gemeindebrief Oktober 1997 geschrieben: „Acht größere und kleinere Dörfer mit zwölf Kirchen habe ich nun mit einer einzigen großen Pfarrgemeinde vertauscht.“ Dabei sollte es jedoch nicht bleiben: Nachdem schon mehrere Jahre die Bildung einer Pfarreien-Gemeinschaft mit Zwölf Apostel im Raum stand, wurde sie, relativ überraschend, im September 2010 Wirklichkeit. Ein Pfarrer betreut von jetzt an zwei große Pfarrgemeinden. Dieser Schritt dürfte wohl einer der entscheidendsten in der Geschichte von Heilig Geist sein.
2016 übernahm Pfarrer Miorin eine neue Pfarrerstelle, und zwar in der Pfarrei St.Johannes Baptist in Pfaffenhofen an der Ilm. Am 25.September fand in Heilig Geist der Abschiedsgottesdienst statt.
Nachfolger von Albert Miorin wurde Pfarrer Manfred Bauer, 43 Jahre alt und aus Landsberg am Lech stammend. Nach seiner Priesterweihe im Jahre 2003 war er Kaplan in der Pfarrei St.Lorenz in Kempten und in der Pfarreiengemeinschaft Königsbrunn. 2008 wurde ihm dann die Aufgabe als Pfarrer von St.Martin in Dasing und als Leiter der Pfarreiengemeinschaft Dasing mit ihren fünf Einzelpfarreien übertragen. Nunmehr wurde also Pfarrer Bauer mit Wirkung vom 1.Oktober 2016 Pfarrer von Heilig Geist und Leiter der Pfarreiengemeinschaft Heilig Geist und Zwölf Apostel. Die feierliche Einführung in sein neues Amt fand am 16.Oktober statt.
Als Quellen wurden vorwiegend die Pfarrbriefe verwendet. 1962 bis 1984 hießen sie „Hochzoller Brücke“, dann „INFO“, ab 1998 „Gemeindebrief Heilig Geist“. Die Angaben zur Gründungsgeschichte und zu den ersten 50 Jahren der Pfarrei sind vorwiegend der Festausgabe der „Hochzoller Brücke“ vom Oktober 1970 entnommen (auch 1962/1 und 1975/3). Als Quelle für die allgemeine Geschichte des Stadtteils wurde herangezogen: Hochzoll, Geschichte eines Augsburger Stadtteils, hrsg. von Berthold Schwager und Hans Thieme, Augsburg 1985, Himmer Verlag.

Das Bildmaterial entstammt hauptsächlich der Ausstellung, die der Pfarrgemeinderat 2005 zum 50-jährigen Kirchweihjubiläum veranstaltete.